Kochkunst und Kochkultur

Wenn es Herbst wird im Sauerland, durchzieht der Duft von aromatischem
Buchenrauch die Luft. Vielerorts zünden die Menschen
Feuer an, um darin Kartoffeln zu garen. Kaum ein Verein
in der Region, der nicht dieser alten und beliebten Tradition des
Kartoffelbratens folgt. Freunde, Familien, Kollegen versammeln
sich um die Feuerstelle, die bereits Tags zuvor auf traditionelle
Art und Weise hergerichtet wurde.
Reichlich Buchenholz wird benötigt. Frisch geschlagen, das ist
wichtig, da es sonst zu schnell abbrennt und zu wenig Glut hinterlässt.
Stunden vor dem Kartoffelbraten treffen sich einige Personen
zum Anfeuern. Kreisförmig aufgestapelt muss das Holz
mindestens vier Stunden lang brennen. Gerne wird bei der „heißen
Angelegenheit" auf geeignete „Löschmittel" zurückgegriffen.
Ist genügend Glut entstanden, wird sie auseinander gezogen.
Hinein kommen nun die Kartoffeln. Nicht irgendwelche. Mittelgroß
und trocken sollten sie sein. Ungeschält kommen sie direkt
in die heiße Glut. Nach etwa 30 bis 45 Minuten sind sie fertig gebacken.
Immer wieder wird nachgeschaut. Vorsicht ist angesagt,
schließlich dürfen die Kartoffeln nicht zu schwarz werden.
Ein bisschen abklopfen, schon sind sie fertig. Echte Kenner verzehren
sie mit Schale, auch wenn noch Asche daran haftet.Manche
Winterberger meinen, zu jeder Kartoffel gehört ein
„Klarer". Was ohne Frage die Stimmung hebt. Stilecht mit Butter
und Salz sind die Kartoffeln eine echte Delikatesse, die man
einfach mal probiert haben muss.
Die Tradition der Kartoffelfeuer geht zurück auf die Kartoffelernte
früherer Jahre. Viele Helfer und mühevolle Handarbeit
waren notwendig, um die begehrten Knollen aus dem Boden
zu holen. Die Kartoffeln wanderten in die Keller, zurück blieb
das Kartoffelkraut. Es wurde auf einem großen Haufen zusammengetragen
und verbrannt. In genau diesem Feuer garten die
Helfer die übrig gebliebenen Kartoffeln.
Zwar gibt es nur noch wenige Kartoffelfelder in der Region.
Doch die Winterberger lieben ihre Tradition. Mehr und mehr
hat der Brauch Einzug gehalten ins private Leben und in die Vereine.
Auch wenn die Kartoffeln heute nicht mehr im Kartoffelkraut
schmoren, Spezialisten fürs Kartoffelbraten, die ganz
genau wissen, wie die Knollen am besten schmecken, gibt
es viele.